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In den letzten Jahren ist Autismus stark ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dennoch herrschen darüber noch viele, z. T. widersprüchliche Missverständnisse.  Zum Beispiel:

Menschen mit Autismus sind alle gleich.

Tatsache: Menschen mit Autismus sind genau so unterschiedlich wie Nicht-Autisten auch.  Zwar gehören Probleme in der sozialen Interaktion und Kommunikation immer zur Diagnose Autismus, aber diese Probleme können in ihrer Ausprägung sehr verschieden sein. Menschen mit Autismus haben unterschiedliche Persönlichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse.

Autismus betrifft nur Kinder.

Tatsache:  Autismus ist eine lebenslange Störung.  Autistische Kinder werden autistische Erwachsene.  Mit 18 verschwindet Autismus nicht, aber die Versorgungslage wird wesentlich schwieriger.

Autismus wird durch mangelhafte Erziehung verursacht.

Tatsache: Diese einst gängige Theorie ist längst widerlegt worden. Obwohl die Ursachen des Autismus in fast allen Fällen noch unklar sind,  handelt es sich mit Sicherheit um eine Entwicklungsstörung des Zentralnervensystems. Erziehungs-fehler oder mangelnde Zuwendung der Eltern haben nichts damit zu tun.

Menschen mit Autismus sind geistig behindert.

Tatsache: Viele Menschen mit Autismus haben eine normale oder überdurchschnittliche Intelligenz.  In Studien zeigen zwischen 25% und 70% eine Intelligenzminderung oder Lernbehinderung.1 Häufig sind Autisten merklich stärker in einem kognitiven Bereich (z.B. in ihren nicht-verbalen Fähigkeiten) als in den anderen.

Menschen mit Autismus können kaum oder überhaupt nicht sprechen.

Tatsache: Die Sprachentwicklung ist bei vielen autistischen Kindern verzögert und in etwa 20% der Fälle bleibt sie aus.2  Vor 20 Jahren wurde der Anteil nicht-verbaler Kinder mit Autismus wesentlich höher  geschätzt (40-50%). Den Rückgang führt man z. T. auf frühere Diagnosen und einen verbesserten Zugang zu Frühinterventionen zurück.3

Viele Menschen mit Autismus verfügen über Sonderbegabungen.

Es gibt in der Tat vereinzelt Autisten mit erstaunlichen Begabungen -- wie Daniel Tammet, der 2004 auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung die Pi-Zahl auf über 20,000 Stellen hinter der Komma aus dem Gedächtnis rezitierte.4 Solche  sogenannten Savant-Fähigkeiten sind natürlich extrem selten.

Autisten haben keine Gefühle.

Tatsache: Menschen mit Autismus können sehr feinfühlig und sensibel sein.  Gleichzeitig können sie aber große Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu verstehen und zu regulieren und manchmal äußern sie ihre Gefühle auf eigentümlicher Weise. Noch schwieriger kann es für einen autistischen Menschen sein, die Stimmungen und Emotionen von anderen Menschen zu erfassen.   Anhand der Stimmlage oder des Gesichtsausdruckserkennen Nicht-Autisten meist sofort wie sich ihr Gegenüber fühlt.  Autisten nicht.  Solche Sozialkompetenzen können aber gefördert werden.

Menschen mit Autismus wollen und können keine Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen.

Tatsache: Soziale Kontakte sind für Menschen mit Autismus anstrengend, schwierig und in manchen Fällen unmöglich. Dennoch gelingt es vielen Autisten Freundschaften zu schließen und einige heiraten und gründen Familien. Oft berichten jugendliche und erwachsene Autisten, dass sie sich isoliert fühlen und sich Freunde oder eine Partnerschaft wünschen. Mehr Akzeptanz und eine effektivere Förderung der sozialen Integration sind gefragt.

Impfungen, insbesondere die Schutzimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) können Autismus auslösen.

Tatsache: Diese Hypothese ist schon mehrfach in großen epidemiologischen Studien untersucht und entkräftet worden. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Kinderschutzimpfungen und Autismus.5 Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt vorbehaltlos, dass Kinder bis Ende des 2. Lebensjahres gegen MMR geimpft werden sollen.6


Quellen und Anmerkungen:

1) Fombonne E. Epidemiological surveys of pervasive developmental disorders. Autism and Pervasive Developmental Disorders. New York, Cambridge University Press, 2007.
2) Lord C, Paul R. Language and communication in autism. Handbook of Autism and Pervasive Developmental Disorders. 2. Auflage. New York, Wiley, 1997.
3) Goldstein H. Communication intervention for children with autism: a review of treatment efficacy. J Autism Dev. Disord 32:373-396, 2002.
4) Tammet D. Elf ist freundlich und Fünf ist laut. 3. Auflage. Heyne Verlag, 2008.
5) WHO-Website unter http://www.who.int/vaccine_safety/committee/topics/mmr/mmr_autism/en/
6) RKI Website unter http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/34_13.pdf